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Wahl des Geburtsorts – Geburt in der Klinik – Perinatalzentren - Hebammenkreißsaal – Ambulante Geburt - Beleggeburt – Hausgeburt – Geburt im Geburtshaus
Wahl des Geburtsorts Wenn Sie an die Geburt Ihres Kindes denken, werden Sie viele Fragen, Erwartungen, Wünsche und vielleicht auch Ängste haben. Im persönlichen Gespräch mit Ihrer Hebamme und auch im Geburtsvorbereitungskurs haben Sie die Möglichkeit, über all dies zu sprechen und sich beraten zu lassen. Ein Kind zu gebären, ist ein ganz natürlicher Vorgang. Gleichzeitig ist es eine ergreifende, kraftvolle Erfahrung - und es ist eine Grenzüberschreitung! Jede Geburt ist einmalig und besonders. Daher sind Geburten und Geburtsschmerzen auch nicht vergleichbar. Bei dieser anstrengenden, aber auch sehr bestärkenden körperlichen Arbeit brauchen Frauen fürsorglichen und kompetenten Beistand. In Deutschland werden alle Geburten von einer Hebamme begleitet. Jeder Arzt und jede Ärztin ist gesetzlich verpflichtet, eine Hebamme zur Geburt hinzuzuziehen. Eine normal verlaufende Geburt kann und darf selbstständig von einer Hebamme betreut werden. Während Hebammen in der außerklinischen Geburtshilfe nur bei Bedarf mit ärztlicher Unterstützung arbeiten, sind sie in der Klinik gemeinsam und in Absprache mit Arzt oder Ärztin für die Gebärende zuständig. Es ist eines unserer wichtigsten Anliegen, Sie bei der Geburt Ihres Kindes in Ihrer Kraft und in der natürlichen Fähigkeit Ihres Körpers, ein Kind zu gebären, mit aller uns zur Verfügung stehenden Erfahrung bestmöglichst zu unterstützen.
Eine wichtige Entscheidung, die Sie im zweiten Drittel der Schwangerschaft treffen sollten, ist die Wahl des Geburtsortes. Bei jedem Geburtsort gibt es Vor- und Nachteile. Nehmen Sie sich Zeit, gemeinsam mit Ihrem Partner den für Sie passenden Geburtsort zu finden. Es steht Ihnen frei, Ihre Meinung jederzeit zu ändern. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung, dass Sie sich für bestimmte Geburtsorte wie Beleggeburt, Hausgeburt, eine Geburt im Geburtshaus oder im Hebammenkreißsaal früher entscheiden müssen, weil diese Kapazitäten begrenzt sind. Mit den hier zusammengestellten Informationen wollen wir Sie darin unterstützen, den Geburtsort zu finden, der Ihren Wünschen entspricht, damit Sie der Geburt Ihres Kindes vertrauensvoll entgegensehen können.
Geburt in der Klinik Etwa 97 % aller Kinder werden in Deutschland in der Klinik geboren. Viel mehr als noch vor 20 Jahren bemühen sich die Kliniken heute - auch im Konkurrenzkampf um die Zahl der Geburten - den besonderen Bedürfnissen der Gebärenden und der werdenden Eltern gerecht zu werden. In Hamburg gibt es 12 Krankenhäuser mit einer geburtshilflichen Abteilung. Fast alle Kliniken haben inzwischen nicht nur auf medizinischer Ebene sondern auch im Hinblick auf alternative Wehen- und Geburtspositionen die gleiche Ausstattung (wie Gebärstuhl/Gebärhocker, Badewanne, Seil, großes Bett u.s.w.). Gleichzeitig finden sich Unterschiede in der Zahl der Geburten, in bezug auf die jeweilige geburtshilfliche Grundeinstellung des Hauses, auf eventuelle Eingriffe und die Möglichkeiten der Gestaltung des Wochenbetts. Es gibt größere und kleinere geburtshilfliche Abteilungen, Kliniken mit Hebammenkreißsälen, Kliniken mit angeschlossenen Perinatalzentren oder besondere Angebote, wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass der Vater gegen einen Aufpreis die Tage in der Klinik gemeinsam mit Mutter und Kind verbringen kann. Drei Hamburger Krankenhäuser sind nach den international geltenden Kriterien der Initiative Stillfreundliches Krankenhaus geprüft und bemühen sich besonders, die sensible Phase des Stillbeginns mit kompetenter Unterstützung zu begleiten.
Vorteile der Geburt in der Klinik sind die medizinischen Möglichkeiten, die bei Komplikationen jederzeit zur Verfügung stehen und das breite Spektrum der Schmerzlinderung. Demgegenüber stehen die Nachteile wie Routine der Klinik und Sachzwänge wie der Schichtdienst mit wechselnden Betreuungspersonen, was die Möglichkeiten der individuellen und kontinuierlichen Betreuung begrenzt. Je nach personeller Besetzung ist eine Hebamme manchmal auch für mehrere Geburten zuständig. Studien zeigen, dass medizinische Eingriffe wie z.B. die Gabe von Wehenmitteln oder ein Dammschnitt in Kliniken oft schneller als medizinisch notwendig vorgenommen werden.
Jede Klinik bietet Infoabende an, die Sie telefonisch im jeweiligen Kreißsaal erfragen können. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich umfassend über die Arbeitsweise der einzelnen Häuser zu informieren und Sie können zu allen Themen, die Sie interessieren, Fragen stellen (z.B. Routine-Dammschnitt, Zahl der Kaiserschnitte, Stillförderung). Bedenken Sie bei der Kreißsaalbesichtigung, dass bei allem Komfort der Ausstattung und möglichen Gebärpositionen die vorhandenen Kapazitäten der Hebammen für kontinuierliche Begleitung und Unterstützung die größte Bedeutung haben! Für Ihre Entscheidung kann auch die Wochenbettbetreuung nach der Geburt in der Klinik eine Rolle spielen.
Haben Sie sich für eine Klinik entschieden, empfiehlt sich eine Anmeldung in der 33.-36. Schwangerschaftswoche (in manchen Kliniken früher). Im persönlichen Anmeldegespräch können Sie Ihre Wünsche äußern, die auf dem Anmeldebogen festgehalten werden. Auf diese Weise sind die jeweils Betreuenden bei Ihrer Ankunft im Kreißsaal bereits informiert.
Auch wenn die Auswahl der Geburtsklinik eine wichtige Bedeutung hat, sollten Sie mit einbeziehen, dass die Geburt Ihres Kindes nicht planbar ist und dass in der Klinik immer auch die jeweiligen momentanen "Umstände" dazu kommen wie: personelle Besetzung, die Belegung der Kreißsäle und natürlich die Beziehung zwischen Ihnen und der Sie betreuenden Hebamme.
Perinatalzentren Perinatalzentren sind Fachabteilungen, die auf Geburts- und Neugeborenenmedizin spezialisiert sind. Hier stehen alle personellen und apparativen medizinischen Hilfsmöglichkeiten, die bei besonderen Problemen und Notfällen erforderlich werden können, unmittelbar vor Ort zur Verfügung. Diese Kliniken sind besonders für die Behandlung von Schwangeren mit Grunderkrankungen vorgesehen. Auch bei einer Frühgeburt oder einer absehbaren Erkrankung des Kindes ist es sinnvoll, diesen Geburtsort zu wählen, da hier eine Kinderklinik mit Neugeborenenintensivmedizin angeschlossen ist. Wenn Sie mit eventuellen Komplikationen rechnen müssen, können Sie sich mit Ihrer betreuenden Hebamme und Ihrem Arzt oder Ihrer ÄrztIn über die für Sie in Frage kommende Klinik beraten.
Wenn Ihre Schwangerschaft problemlos verlaufen ist und aufgrund Ihrer Vorgeschichte eine "normale" Geburt zu erwarten ist, müssen Sie zur Geburt nicht in ein Perinatalzentrum. Kliniken, die keine angeschlossene Kinderklinik haben, arbeiten mit KinderärztInnen zusammen, die jederzeit erreichbar sind. Wenn sich während der Geburt Komplikationen abzeichnen, wird der kinderärztliche Notdienst rechtzeitig gerufen, so dass er bereits zur Geburt da ist oder Mutter und Kind werden noch zur Geburt in ein Perinatalzentrum verlegt. Wenn das Baby nach der Geburt größere Probleme haben sollte, wird es - möglichst gemeinsam mit der Mutter - in eine Kinderklinik verlegt.
Hebammenkreißsaal Vielleicht haben Sie schon davon gehört, dass Sie in zwei Hamburger Kliniken die Möglichkeit haben, Ihr Kind in einem Hebammenkreißsaal zu gebären. Das ist ein besonderes geburtshilfliches Betreuungsmodell innerhalb einer Klinik zusätzlich zur üblichen Geburtshilfe. Hier arbeiten die Hebammen selbstständig und eigenverantwortlich. Sie betreuen Frauen mit gesunden Schwangerschaftsverläufen und zu erwartenden problemlosen Geburten. Bei auftretenden Komplikationen vor, während und nach der Geburt ziehen die Hebammen ärztliche Hilfe hinzu. Dann wird die Frau gemeinsam von Hebamme und Arzt/ÄrztIn betreut. Hebammenkreißsaal und herkömmlicher Kreißsaal arbeiten eng zusammen. Das ermöglicht einen unkomplizierten Übergang von einem zum anderen Betreuungsmodell. Zur Linderung der Geburtsschmerzen stehen Ihnen im Hebammenkreißsaal Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie sowie Entspannungsbad und die Wassergeburt zur Verfügung. Sollten Sie während der Geburt andere Schmerzmittel oder eine Periduralanästhesie benötigen, wird eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen. Zum Modell des Hebammenkreißsaals gehört auch, dass Sie im Wochenbett ausschließlich von Hebammen betreut werden.
Das Modell der hebammengeleiteten klinischen Geburtshilfe wird schon seit vielen Jahren in England, Dänemark und Schweden erfolgreich praktiziert. Es verbindet die Vorteile der Hebammengeburtshilfe (intensive Betreuung, hohes Maß an Selbstbestimmung und Zufriedenheit der Frau, wenige Eingriffe, weniger operative Geburten) mit den Vorteilen der Klinik (hohe Sicherheit, bei Komplikationen stehen alle medizinischen und personellen Ressourcen zur Verfügung). Studien belegen die Wirksamkeit und Effizienz von Hebammenkreißsälen.
Wenn Sie sich für eine Geburt im Hebammenkreißsaal interessieren, erfahren Sie Weiteres auf den Infoabenden der Kliniken. Wenn Sie sich für dieses Geburtsmodell entscheiden, sollten Sie sich rechtzeitig, das heißt, vor der 30. Schwangerschaftswoche anmelden. Sie haben dann zwei ausführliche Einzelberatungstermine, bei denen Sie die Abteilung und das geburtshilfliche Team kennenlernen. So kommen Sie, wenn sich die Geburt Ihres Kindes ankündigt, in eine bereits vertraute Umgebung und zu vertrauten Menschen.
Ambulante Geburt In jeder Klinik haben Sie das Recht zu entscheiden, wann Sie nach der Geburt nach Hause gehen möchte. Sie können sich für eine ambulante Geburt entscheiden und wenige Stunden nach der Geburt nach Hause fahren oder einige Tage auf der Wochenstation bleiben. Wenn alles problemlos verlaufen ist, werden Sie nach einer normalen Geburt zwischen dem 3. und 5., bei einem Kaiserschnitt zwischen dem 5. und 7. Tag Wochenbettstag entlassen.
Bei einer ambulanten Geburt gehen Sie nur zur Geburt in die Klinik und verbringen das gesamte Wochenbett zu Hause in Ihrer vertrauten Umgebung. Wenn die Geburt komplikationslos verlaufen ist und Sie und Ihr Baby wohlauf sind, können Sie etwa 4 Stunden nach der Geburt wieder nach Hause fahren. Zur Vorbereitung auf eine ambulante Geburt sollten Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Familie zu Hause gut versorgt sind und im häuslichen Alltag entlastet werden, so dass Sie viel Zeit und Ruhe für sich und das Baby haben. Jede Frau hat Anspruch auf eine Betreuung durch eine Hebamme im Wochenbett. Hierfür sollten Sie rechtzeitig in der Schwangerschaft Kontakt mit einer Hebamme aufnehmen und sich kennenlernen. Nach einer ambulanten Geburt haben Sie das Recht auf eine Haushaltshilfe für die Tage, die Sie nicht in der Klinik verbringen. Informieren Sie die betreuende Hebamme bald nach der Geburt, damit sie sich rechtzeitig auf den ersten Wochenbettbesuch einstellen kann. Sinnvoll ist es auch, wenn Sie sich vor der Geburt mit einem Kinderarzt/einer Kinderärztin in Verbindung setzen, der zwischen dem 3. und 10 Lebenstag des Kindes die zweite Neugeborenenuntersuchung (U2) durchführt. Einige Kinderärzte kommen für die U2 auch zu Ihnen nach Hause. Die Blutentnahme für den Stoffwechseltest (Guthrietest) kann auch Ihre Hebammen durchführen.
Beleggeburt Sie haben auch die Möglichkeit, sich bei einer Hebamme anzumelden, die Beleggeburten in einer Klinik durchführt. Die vertraute Hebamme wird dann mit Ihnen zur Geburt in die Klinik gehen und Sie dort betreuen, bis Ihr Kind geboren ist und Sie auch im Wochenbett begleiten. Da diese Form der Geburtsbegleitung sehr beliebt ist, empfehlen wir Ihnen, sich sehr frühzeitig bei einer Beleghebamme anzumelden. "Ihre" Hebamme ist dann während der gesamten Schwangerschaft Ihre Ansprechpartnerin z.B. für Beratungen, Vorsorgeuntersuchungen, Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden und die Geburtsvorbereitung.
Hausgeburt Ihr Kind zu Hause zu gebären ist Herzenswunsch vieler Schwangerer. Bedeutet es doch, das Baby in vertrauter Atmosphäre mit der Unterstützung einer über viele Monate vertraut gewordenen Hebamme zur Welt zu bringen. Gebären in entspannter, vertrauter Umgebung erleichtert den Geburtsverlauf entscheidend. Auch ein bereits bestehendes Vertrauensverhältnis zwischen Hebamme und Frau fördert die Geburt. Die Entscheidung für eine Hausgeburt sollten Sie nicht allein mit Herz und Bauch treffen sondern gemeinsam mit Ihrer Hebamme Motive, Möglichkeiten und Risiken abklären. Auch Ihr Partner sollte hinter der Entscheidung für eine Hausgeburt stehen.
Wenn Ihre Schwangerschaft komplikationslos verlaufen und eine "normale" Geburt zu erwarten ist, können Sie eine Hausgeburt planen. Bei Risiken wie z.B. Zwillingsgeburten, Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte, Verdacht auf Mangelentwicklung des Kindes, eine eigene schwere Grunderkrankung oder Bluthochdruck sollten Sie die Geburt in der Klinik planen.
Wenn Sie eine Hausgeburt wünschen, sollten Sie spätestens am Anfang des zweiten Schwangerschaftsdrittels mit einer Hebamme Kontakt aufnehmen. Die Geburt zu Hause sollten Sie besonders gut vorbereiten. Alles, was hier zu planen und zu bedenken ist, klärt die Hebamme in mehreren Vorgesprächen mit Ihnen und Ihrem Partner. "Ihre" Hebamme wird dann auch einen Teil der Vorsorgeuntersuchungen durchführen. So kennt sie Sie schon gut, wenn es dann soweit ist, sie kann Sie besser einschätzen oder eventuelle Schwierigkeiten erkennen. Eventuell zieht Ihre Hebamme zum Ende der Geburt eine Kollegin oder eine ÄrztIn hinzu.
Treten Komplikationen auf, die sich zu Hause nicht bewältigen lassen oder verzögert sich die Geburt über ein bestimmtes Maß hinaus, müssen Sie in eine Klinik verlegt werden. Sie sollten sich deshalb auf jeden Fall auch in einer Klinik anmelden. Die Verlegung in eine Klinik geschieht in den meisten Fällen in aller Ruhe - eine Notfallverlegung ist sehr selten.
Ist eine Hausgeburt gut vorbereitet und sind während der Schwangerschaft keine Probleme aufgetreten, dann ist die Geburt zu Hause - das ist das Ergebnis verschiedener europäischer Studien - genauso sicher wie eine Klinikgeburt.
Geburt im Geburtshaus Vielleicht möchten Sie Ihr Kind in einer vertrauten Umgebung zur Welt bringen, aber nicht in Ihrer eigenen Wohnung? Dann könnte die Geburt im Geburthaus eine Alternative sein. Im Geburtshaus arbeiten ausschließlich Hebammen. Ihr Anliegen ist es, Frauen und werdende Familien während Schwangerschaft und Geburt individuell und umfassend zu begleiten. Die Geburtshaushebammen fördern und unterstützen eine aktive, selbstbestimmte Geburtsarbeit
Wenn die Schwangerschaft komplikationslos verlaufen ist und bei Ihnen eine normale Geburt zu erwarten ist, können Sie im Geburtshaus nach Ihren persönlichen Möglichkeiten und Vorstellungen gebären. Die medizinischen Möglichkeiten des Geburtshauses entsprechen denen der Hausgeburt.
Es ist sinnvoll, wenn Sie früh in der Schwangerschaft Kontakt zum Geburtshaus aufnehmen. Während der Beratungsgespräche, der Vorsorgeuntersuchungen und der Geburtsvorbereitungskurse können Sie die Hebammen kennenlernen und Sie werden mit der Umgebung vertraut..
Für die Geburtshilfe sind rund um die Uhr Hebammen in Rufbereitschaft. Wenn Komplikationen auftreten werden die Frauen in die Klinik Ihrer Wahl verlegt. Melden Sie sich deshalb immer auch in einer Klinik an. Das Geburtshaus arbeitet gut mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten zusammen und ebenso mit den Klinken, in die Frauen gegebenenfalls verlegt werden.
(c) Dr. Angelica Ensel
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