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Die ersten Monate
Leben mit einem Neugeborenen – Gut für sich selbst sorgen – Rückbildungskurse – Beckenbodentraining – Angebote für Eltern und Babys – Rat und Hilfe
Mit einem Neugeborenen zu leben und das Wachsen und Werden eines kleinen Menschen zu begleiten, ist eine tief greifende Erfahrung, ein großes Glück. Und gleichzeitig ist diese erste Zeit - besonders beim ersten Kind - oft auch sehr anstrengend für die Eltern. Wenn Sie sich Zeit nehmen und im Voraus einiges bedenken, können Sie viel dafür tun, dass manche Probleme gar nicht erst entstehen. Auch hierzu stellen wir Ihnen unserem Erfahrungsschatz zur Verfügung und wünschen Ihnen, dass Sie gerade diese ersten Wochen und Monate mit Ihrem Baby intensiv, gut versorgt und - bei aller Anstrengung - auch als sehr beglückend erleben.

Leben mit einem Neugeborenen
Kaum etwas verändert das Leben so grundlegend wie das Elternwerden und das Leben mit einem Neugeborenen. So vieles ist anders als bisher - und das kann, besonders in den ersten Monaten, recht anstrengend sein und Sie manchmal auch verunsichern. Im Umgang mit Ihrem Baby haben Sie noch viele Fragen, Ihre Rolle als Mutter ist noch ungewohnt. Alle Aspekte des Lebens und Zusammenlebens - von Berufstätigkeit über die Haushaltsorganisation bis zur Freizeitgestaltung - müssen neu geordnet werden. Auch die Beziehungen insbesondere zum Partner/zur Partnerin, aber auch zu den eigenen Eltern und Schwiegereltern, zu den Kindern, die schon da sind, zu FreundInnen und zu den ArbeitskollegInnen verändern sich. Jeder Tag stellt Sie vor neue Aufgaben: das Baby äußert seine Wünsche nach Zuwendung, Essen oder sauberen Windeln oft sehr lautstark und will sofort versorgt werden, der Haushalt will erledigt werden und vielleicht möchten Sie noch andere Dinge tun. Es gibt anfangs noch wenig Routine, sogar Ihr Körper kann Ihnen fremd erscheinen, manchmal verstehen Sie sich selbst nicht mehr.

Viele Mütter und Väter erleben es so. Sie machen ganz neue Erfahrungen mit sich selbst und miteinander. Im Verlauf des ersten Lebensjahres Ihres Kindes lernen Sie ebenso wie Ihr Baby, sich miteinander und in Ihrem Umfeld zurechtzufinden. Allmählich zeigt sich eine Art Grundmuster der neuen Persönlichkeit der Frau als Mutter und des Mannes als Vater. Und in den kommenden Jahren werden noch viele Veränderungen auf Sie zukommen. Das Kind wächst und Sie wachsen mit ihm! In der Familie entstehen Rhythmen und Lebensgewohnheiten. Versuchen Sie nach Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen, um sich an Ihr neues Leben zu gewöhnen! Und wenn es Ihnen einmal schwer fällt: Denken Sie daran, dass eine eher anstrengende Zeit, wie im Wechsel der Jahreszeiten, von einer angenehmeren abgelöst wird und dass kein Tag wie der andere ist.

Gut für sich selbst sorgen
Im ersten Vierteljahr nach der Geburt eines Kindes ist vieles in Bewegung. Nach und nach finden Sie in dieser Zeit heraus, wie Sie Ihr Leben als Mutter so gestalten können, dass es für Sie befriedigend ist. Bewegung, frische Luft, gutes Essen, ein Mittagsschlaf, eine schöne Stunde mit Ihrem Partner, ein Gespräch mit der Freundin und ab und zu ein herzliches Lachen helfen Ihnen, die Umstellung zu bewältigen. Wenn es in Ihrer Partnerschaft die "klassische" Rollenteilung gibt, sorgen Sie dafür, dass es eine "heilige" Stunde am Tag gibt, die Ihnen ganz alleine gehört. Diese Einrichtung hilft Ihnen nicht nur, wieder Kraft zu schöpfen sondern sie stärkt auch die Beziehung zwischen Vater und Kind. Wenn Sie lernen, in Ihrem Leben mit Kind auch für sich selbst gut zu sorgen, hilft das auch Ihrem Baby und Sie werden - trotz mancher schlafloser Nacht und Erschöpfung - immer wieder erleben, welche Freude und Kraft Ihr Kind Ihnen gibt.

Hilfreich sind Gespräche mit erfahrenen Freundinnen und der Besuch einer Gruppe. Buchen Sie einen Kurs zur Rückbildung oder gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind in eine Gruppe, z.B. zur Babymassage, zum Babyschwimmen oder zum Pekip. Besonders wenn Sie Ihr Kind alleine erziehen, haben Sie gemerkt, wie wichtig es ist, sich Netze der Unterstützung und des Austauschs zu schaffen. Und holen Sie sich bei größeren Schwierigkeiten und Belastungen rechtzeitig fachlichen Rat und Hilfe.

Rückbildungskurse
Viele Frauen haben einige Wochen nach der Geburt wieder Lust, etwas für sich selbst zu tun, ihren Körper zu stärken und wieder neu zu erfahren. Rückbildungskurse helfen Ihnen nicht nur körperlich wieder fitter zu werden, sie sind auch für Ihr seelisches Wohlbefinden hilfreich und wirkungsvoll. Hier ist Zeit und Raum für Bewegung und Entspannung. Sie können fast vergessene Muskeln wieder entdecken und neue Bewegungsmuster entwickeln. Sie finden Linderung für Rückenschmerzen und Nackenverspannungen, stärken die Kraft Ihres Beckenbodens, Ihre Ausdauer und Ihre körperliche Geschicklichkeit. Außerdem treffen Sie Mütter zum Austausch und finden in der Kursleiterin eine Fachfrau, die Ihnen viele Fragen beantworten kann.

Rückbildungskurse werden mit und ohne Baby angeboten. Ein Kurs, in dem sie das Baby mitbringen können, hat den Vorteil, dass Sie zeitlich flexibler sind. Andererseits kann es auch sehr erholsam sein, wenn Sie diese Stunde ganz für sich alleine haben.

Bevor Sie einen Rückbildungskurs besuchen, sollten Sie schon eine Weile die Übungen zur Stärkung des Beckenbodens gemacht haben, die Ihre Hebamme im Wochenbett zeigt. Der richtige Zeitpunkt, einen Rückbildungskurs zu beginnen, liegt für die meisten Frauen zwischen acht Wochen und vier Monaten nach der Geburt. Bitte melden Sie sich rechtzeitig vorher an. Die Rückbildungsgymnastik wird von Ihrer Krankenkasse übernommen, wenn der Kurs von einer Hebamme geleitet wird - jedoch nur, wenn der Kurs innerhalb von vier Kalendermonaten nach der Geburt begonnen wird.

Sie können zwischen unterschiedlichen Rückbildungsangeboten wählen wie Rückbildungsgymnastik, Rückbildungsschwimmen oder Rückbildungsyoga.

Beckenbodentraining
Nach der Geburt kann es einige Wochen bis Monate dauern, bis Sie Ihren Beckenboden wieder fest anspannen können, bis Sie hüpfen, laufen, husten können und dabei ganz sicher sind, dass Sie keinen Tropfen Urin verlieren. Dies kann auch Auswirkungen auf Ihre Freude am Liebesleben haben. Fühlen Sie sich weiterhin unsicher und offen, haben Sie den Eindruck, dass etwas in der Scheide nach unten drückt, dass Sie "durchhängen", ist zu vermuten, dass Sie eine Beckenbodenschwäche haben, die sich auch zu unkontrolliertem Harn-oder Stuhlabgang und zu einer Gebärmuttersenkung ausweiten kann. Auch wenn Ihnen dieses Thema möglicherweise unangenehm ist, sprechen Sie, wenn Sie Fragen haben oder sich Sorgen machen, mit Ihrer Hebamme oder der FrauenärztIn, für die diese Themen ganz alltäglich sind.

Bei einer Beckenbodenschwäche hilft ein spezieller Kurs zur Stärkung des Beckenbodens, wie das "Aufbauende Beckenbodentraining".Das ist ein intensives, sehr effektives Übungsprogramm, das die Beckenbodenmuskulatur stärkt. Dieses spezielle Training sollte etwa ein halbes Jahr nach der Geburt begonnen werden bzw. dann, wenn Sie nicht mehr voll stillen. Es wird begleitet von Informationen zur Schonung des Beckenbodens im Alltag, von Gesprächen und Entspannungsübungen. Dieser Kurs ist für Frauen jeden Alters, unabhängig davon, ob sie Kinder geboren haben oder nicht. Sie müssen diesen Kurs privat bezahlen, im Einzelfall kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen.

Angebote für Eltern und Babys
Gemeinsam mit dem Baby einen Kurs oder ein Babytreffen zu besuchen, kann sehr anregend sein und viel Spaß bringen. Neue Kontakte ergeben sich und viele Fragen, die im Umgang mit dem Kind auftauchen, finden eine Antwort im Austausch mit den anderen Müttern und Vätern.
Nach etwa einem Vierteljahr sind die meisten Babys "kursreif". Ab diesem Zeitpunkt ist es leichter, mit ihnen zusammen einen Termin einzuhalten und sie werden jetzt auch sehr neugierig auf die Welt um sie herum. Da manche Kurse sehr beliebt sind, kann es sinnvoll sein, dass Sie sich schon recht früh dafür anzumelden. Kursangebote finden Sie in Hebammenpraxen, Elternschulen, Familienbildungsstätten und in Kirchengemeinden.

Babytreff
Babytreffs gibt es im Geburtshaus, in den Elternschulen, in den Mütterzentren und teilweise auch in den Kirchengemeinden. Sie bieten Gelegenheit zum Klönen und Kennen lernen, zum Austausch von Tipps und Informationen.

Babymassage
Babymassage ist eine wunderbare Form mit Ihrem Baby in Kontakt zu sein. Sie wirkt beruhigend, fördert Wahrnehmung und Körpergefühl des Kindes und die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Die Kurse werden von Hebammenpraxen, Elternschulen und Familienbildungsstätten angeboten und müssen selbst bezahlt werden.

Pekip

Pekip, das Prager Eltern Kind Programm, bietet eine gelungene Mischung aus Körpererfahrung, Spiel und Entwicklungsförderung und -begleitung für die Kinder und Austausch und Information für die Eltern. Beim Pekip sind die Babys im gut geheizten Raum nackt, sie lernen verschiedene Materialien kennen, reagieren auf die anderen Kinder und erleben gemeinsam mit ihren Eltern eine besondere Stunde des Spielens.
Pekipkurse, die im Alter von drei Monaten begonnen werden können gehen über das ganze erste Lebensjahr oder auch darüber hinaus. Im Kurs erfahren die Eltern viel über die Entwicklung des Kindes, sie können sich untereinander austauschen und finden in der Kursleiterin eine erfahrene Expertin und Ratgeberin. Dem Pekip vergleichbar sind Kurse, die unter dem Namen Delfi (Denken, Entwickeln, Fühlen, Individuell) angeboten werden. Auch diese Kurse müssen Sie selbst bezahlen.

Mutter-Kind-Kurse
Mutter und Kind - Kurse bieten häufig von allem etwas: ein wenig
Rückbildungsgymnastik, Babymassage, Gespräch und Information. Rufen Sie bei den jeweiligen Anbietern an, wenn Sie mehr über die über die jeweiligen Schwerpunkte und eventuelle Kosten erfahren möchten. wissen wollen.

Stillgruppen
Stillgruppen begleiten Mütter in der Zeit des Stillens. Hier finden Sie Ermutigung, Unterstützung und Information. Die Gruppen, die sich als Selbsthilfe verstehen, werden von einer ausgebildeten Stillberaterin begleitet. Hier werden auch alle Fragen rund um die Ernährung des Kindes beantwortet. Daneben besteht die Möglichkeit der individuellen Stillberatung durch eine Hebamme, Kinderkrankenschwester oder eine Laktationsberaterin. Stillgruppen werden sowohl in Kliniken als auch in Hebammenpraxen oder Privatwohnungen angeboten.

Rat und Hilfe
Neben vielen beglückenden Erfahrungen mit einem Baby und kleineren alltäglichen Anpassungsschwierigkeiten kann es auch Situationen geben, die sehr kräftezehrend sind. Nicht selten sind Eltern ratlos, verzweifelt und erschöpft, weil sie mit Ihrem Baby vor sehr schweren Aufgaben stehen. Wenn

... Ihr Baby untröstlich schreit,
... Sie länger als nur vorübergehend unglücklich sind,
... Sie als Paar nicht mehr weiter wissen,
... Sie alle Ratschläge von Freundinnen, Müttern und Großmüttern schon erfolglos ausprobiert haben,

dann ist es hilfreich, sich an Fachleute zu wenden, um dort Unterstützung zu bekommen. Bleiben Sie nicht alleine mit Ihren Schwierigkeiten, sondern fragen Sie Ihre Hebamme, Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt, die Familienhebammen oder wenden Sie sich an eine der von uns genannten Beratungsstellen.

(c) Dr. Angelica Ensel