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Wahlprüfsteine zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz am 22. März 2026 21.01.2026 - 13:17 Uhr Der Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz hat Ende Oktober 2025 das Forderungspapier „Die Zukunft für Hebammen und Familien sichern!“ an die Parteien adressiert, damit unsere wichtigen Themen (faire Bezahlung für ALLE Hebammen, Personalbemessung, keine weiteren Klinikschließungen, wohnortnahe Erreichbarkeit etc.) in die Wahlprogramme aufgenommen werden. Anfang Dezember haben wir unsere Wahlprüfsteine SPD, CDU, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zugestellt und uns gefreut, dass wir Anfang Januar 2026 von allen Antworten erhalten haben.

Wir begrüßen sehr, dass die Antworten der Parteien zur Landtagswahl 2026 parteiübergreifend ein grundsätzliches Bewusstsein für die angespannte Situation der geburtshilflichen Versorgung in Rheinland-Pfalz zeigen. Die zentrale Rolle der Hebammen für eine sichere Versorgung von Frauen und Familien wird anerkannt, ebenso der Handlungsbedarf in Ausbildung, Nachwuchssicherung und Versorgungsstrukturen.

Gleichzeitig unterscheiden sich die Positionen deutlich im Grad der Konkretheit und Verbindlichkeit. Während einzelne Parteien die Forderungen des Hebammen-Landesverbandes sehr präzise aufgreifen, bleiben andere bei allgemeinen Zielbeschreibungen und unverbindlichen Maßnahmen. Insbesondere bei verbindlicher Personalbemessung, dem dauerhaften Erhalt aller geburtshilflichen Standorte, klaren Erreichbarkeitszielen sowie der strukturellen Absicherung hebammengeleiteter Angebote fehlen häufig konkrete Umsetzungszusagen. Kritisch stehen wir der Aussage gegenüber, dass Geburtshäuser im Einzelfall eine Antwort auf Unterversorgung sein können. Hier zeigt sich, dass Geburtshilfe weiterhin nicht als Versorgungsnetz gedacht wird, in dem verschiedene Angebote in Kombination vorgehalten werden müssen. Geburtshäuser sind ein entscheidender Baustein im Versorgungsnetz, um die Wahlfreiheit des Geburtsortes (für gesunde Frauen mit physiologischem Schwangerschaftsverlauf) und die flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Ein Ausbau ist wünschenswert. Sie ersetzen aber nicht ohne weiteres eine Klinik mit Kreißsaal, die durch Finanzierungsprobleme in erreichbarer Nähe wegfällt!

Insgesamt wird die Problemlage weitgehend geteilt, der entscheidende Schritt von der Anerkennung zur verbindlichen Umsetzung steht jedoch noch aus. Der Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz erwartet von der kommenden Landesregierung, Geburtshilfe konsequent als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge zu sichern und die notwendigen strukturellen Maßnahmen entschlossen umzusetzen.

Ein besonderes Augenmerk werden wir auf die versprochene Niederlassungsförderung legen, da diese schon im Koalitionsvertrag 2021 verankert, jedoch nicht umgesetzt wurde.

> Forderungspapier des Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz als PDF
> Wahlprüfsteine für die Landtagswahl als PDF
> Leitfaden „Hebammen gestalten Politik mit – aber wie?“



Lesen Sie hier eine inhaltliche Einordnung, wie gut die Antworten unserem Forderungspapier entsprechen:

(Die ausführlichen Antworten der Parteien finden sie im Anschluss als PDF)

1. Für Hebammen: Sichere Perspektiven schaffen

Unsere zentralen Forderungen:
  • Verbindliche Personalbemessung
  • Niederlassungsförderung
  • Nachwuchssicherung und Ausbau Praxisanleitung
  • Karrierewege / Master / Stellenentwicklung
  • Abfederung der Folgen des Hebammenhilfevertrags

FDP
Inhaltliche Passung: mittel
  • Erkennt schlechte Arbeitsbedingungen und Problematik des Hebammenhilfevertrags an und befürwortet Nachverhandlungen
  • Unterstützt akademische Weiterentwicklung
  • Keine verbindliche Personalbemessung, nur allgemeiner Bürokratieabbau
  • Niederlassungsförderung bleibt unspezifisch
  • Praxisanleitung und konkrete Stellenentwicklung fehlen
  • unverbindlich bei strukturellen Eingriffen

SPD
Inhaltliche Passung: hoch
  • Klare Anerkennung der Überlastung in Kliniken
  • Entlastung durch bessere Personalschlüssel (wenn auch nicht als verbindliche Bemessung formuliert)
  • Maßnahmen zur Niederlassungsförderung durch Hebammenzentralen, keine individuelle Niederlassungsförderung
  • Sehr konkrete Unterstützung der Weiterentwicklung von Masterstudiengängen (finanziell und strukturell)
  • Klare Position zur Nachverhandlung des Hebammenhilfevertrags

Bündnis 90/Die Grünen
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Explizite Forderung nach verbindlichen Personaluntergrenzen
  • Niederlassungsförderung als pauschales Landesinstrument
  • Klare Forderung Ausbau der Masterstudiengänge und nach Stellen für Masterabsolvent*innen
  • Deutliche Kritik am Hebammenhilfevertrag
  • Umsetzungsebene (Finanzierung, Zuständigkeiten) bleibt offen

Die Linke
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Klare Ablehnung der Ökonomisierung der Geburtshilfe
  • Forderung nach Vorhaltefinanzierung, Abschaffung der Fallpauschalen
  • Verbindliche Personalvorgaben
  • Umfassende Niederlassungsförderung inkl. Fahrtkosten & Rufbereitschaft
  • Einsatz für Ausbau von Masterstudiengängen
  • Teilweise Bundesebenen-Themen (DRG-System), Umsetzung auf Landesebene komplex

CDU
Inhaltliche Passung: hoch
  • Klare Anerkennung der Gefährdung durch den Hebammenhilfevertrag
  • Sicherstellungsfinanzierung für Kreißsäle
  • Förderung von Hebammenzentralen und Praxisgründungen
  • Klar definierte Masterprofile und Karrierewege
  • Keine explizite Forderung nach verbindlicher Personalbemessung



2. Für Familien: Flächendeckende Gesundheitsversorgung gewährleisten

Unsere zentralen Forderungen:
  • 30-Minuten-Erreichbarkeit
  • Keine weiteren Kreißsaalschließungen
  • Erhalt der Beleghebammenteams
  • Förderung hebammengeleiteter Angebote
  • Ausbau von Hebammenzentralen

FDP
Inhaltliche Passung: mittel
  • Bekenntnis zur wohnortnahen Versorgung
  • Unterstützung kleiner Geburtsstationen
  • Hebammengeleitete Einrichtungen nur als optionale Ergänzung

SPD
Inhaltliche Passung: hoch
  • Fokus auf Erhalt kleiner Kliniken im ländlichen Raum
  • Klare Förderung hebammengeleiteter Kreißsäle
  • Engagement für Beleghebammenteams
  • Hebammenzentralen als tragende Säule

Bündnis 90/Die Grünen
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Explizite Forderung: Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten
  • Klare Position: alle Geburtskliniken erhalten
  • Starker Ausbau hebammengeleiteter Angebote
  • Präventionsangebote („stillfreundliche Kommune“) explizit genannt
  • Erhalt der Beleghebammenteams durch Forderung von Nachverhandlungen

Die Linke
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Klare Ablehnung weiterer Kreißsaalschließungen
  • Starker Fokus auf Wahlfreiheit des Geburtsortes
  • Erhalt und Stärkung der Beleghebammen
  • Hebammengeleitete Einrichtungen als integraler Bestandteil (Geburtshäuser, hebammengeleitete Kreißsäle)

CDU
Inhaltliche Passung: hoch
  • Deutliches Bekenntnis zu Geburtshilfe als Daseinsvorsorge
  • Sicherstellungszuschläge und Kreißsaal-Sicherungsprogramm
  • Förderung hebammengeleiteter Angebote (aber nachrangig zur Klinik)
  • Geburtshäuser eher als „Einzelfalllösung“ verstanden



3. Für eine zukunftsfähige Versorgungsplanung: Verlässliche Strukturen etablieren

Unsere zentralen Forderungen:
  • Einführung von Amtshebammen
  • Systematische Datenerhebung
  • Innovative Versorgungsmodelle
  • Strukturierte Einbindung in Gesundheitsplanung

FDP
Inhaltliche Passung: gering bis mittel
  • Offen für Datenerhebung
  • Keine klare Position zu Amtshebammen
  • Befürworten Innovationen wie auch digitale Lösungen
  • Starke Sorge vor Bürokratie

SPD
Inhaltliche Passung: mittel
  • Modellprojekte (Telehebamme, Hebammenmobil)
  • Dialogorientierte Planung
  • Keine klare Zusage zu Amtshebammen

Bündnis 90/Die Grünen
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Klare Unterstützung von Amtshebammen
  • Gesundheitsregionen und Versorgungskonferenzen
  • Verbindliche Einbindung von Hebammen
  • Innovative Modelle wie Hebammen im Rettungsdienst, Hebammenzentralen…

Die Linke
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Klare Forderung nach Amtshebammen
  • Verzahnung mit Gesundheitsämtern und Frühen Hilfen, Kliniken, Hebammen…
  • Regelmäßige, verbindliche Beteiligungsstrukturen
  • Innovative Modelle wie Hebammen im Rettungsdienst, Hebammenzentralen…

CDU
Inhaltliche Passung: sehr hoch
  • Amtshebamme + Hebammenregister
  • Regionale Versorgungsberichte
  • Tele-Hebammenberatung als ergänzendes Angebot



> Antwort der FDP zu den Wahlprüfsteinen
> Antwort der SPD zu den Wahlprüfsteinen
> Antwort von Bündnis 90/Die Grünen zu den Wahlprüfsteinen
> Antwort von Die Linke zu den Wahlprüfsteinen
> Antwort der CDU zu den Wahlprüfsteinen

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